Schön und friedlich sieht er aus, unser Bahnhof, auf der neuen Briefmarke, die im Oktober erschien. Dezent beleuchtet in der Abenddämmerung, ohne Menschentrauben, die sich vorwiegend durch den rechten Eingang zwängen, keine Randständigen auf den Sitzbänken unter der Arkade. 

Wir alle wissen es: Die Idylle ist trügerisch. Hinter der sprichwörtlichen Fassade liegt einiges im Argen.

Der Personenfluss konzentriert sich zu einseitig auf den rechten Eingang, der schnellste Weg zu den Rolltreppen auf die Passerelle. Und auch nur von ihr lassen sich alle Gleise erreichen. Die unattraktive Gundeli-Passerelle beim Postreitergebäude bedient nicht alle Gleise, auch von der Margarethenbrücke kommt man nur zu den südlichsten Perrons.

Richtungswechsel: Die Aufgänge zur Passerelle von den Gleisen sind zu Stosszeiten völlig überlastet. Kommen z. B. auf Gleis 16 zwei Züge gleichzeitig an, kann es bis zu 10 Minuten dauern, bis man auf der Passerelle ist.

Heilmittel Personenunterführung

Das Heilmittel ist hinlänglich bekannt: die Personenunterführung West (PU West), also die Verbindung vom Meret Oppenheim-Platz diagonal zum Elsässertor.

Vielversprechend sah es vor knapp einem Jahr aus, als die SBB verlauten liessen, dass dieses Jahr ein Vorprojekt zur PU West vorliegen werde, wenn auch eine Zusammenarbeit mit der Stadt in Richtung grosszügiger Querung mit Weiterführung zur Innenstadt nicht nur für Bahnreisende, sondern auch für das nach wie durch die Gleise von der Stadt abgeschnittene Gundeli in weiter Ferne lag.

Zwischenzeitlich haben wir erfahren, dass die FABI-Millionen von den SBB weitgehend für Instandsetzungsarbeiten verwendet werden und, gerade kürzlich, dass die Bahn bis 2020 1'400 Stellen abbauen wird. Als Zeithorizont für eine allfällige Verwirklichung des 310-Millionen-Unterführungs-Projekts gilt nicht einmal mehr der sog. Ausbauschritt 2030, da die PU darin vorerst gar nicht enthalten ist.

Unhaltbarer Zustand

Eigentlich ist der Zustand unhaltbar, insbesondere auch dann, wenn er bis weit über 2030 hinaus so anhalten sollte.

An einer kürzlichen Veranstaltung der Neuen Gruppe Bahnhof zur Zukunft des Bahnhofausbaus konnte der Vertreter der SBB auf die Frage nach einem Plan B oder entsprechenden Übergangslösungen nur verlegen die Achseln zucken. Dabei irritierte etwas, dass die gleiche SBB Ende Jahr mit dem dreijährigen Umbauprojekt Bahnhof West beginnen wird. Schön, auch schön teuer, aber ohne Wirkung auf die Passantenströme, aber kommerziell rentabel für die inzwischen riesige Immobiliendivision unserer Bahn.

Also keine Hoffnung? Doch. Am 7. September gab das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) bekannt, dass das Bundesamt für Verkehr (BAV) mit den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft eine gemeinsame Organisation für den Bahnknoten Basel aufbauen will. Ziel ist eine Kapazitätssteigerung des Bahnhofs, u. a. auch mit neuen Gleisen, resp. deren Umwidmung von bisheriger Güter- in Personennutzung. Projektkoordinator wird Rudolf Dieterle, der ehemalige Chef des Bundesamtes für Strassen.

Hoffnungsträger

Neue Personenperrons brauchen neue Zugänge, die wohl über die Passerelle allein nicht zu haben sind. Vielleicht bringt es Herr Dieterle zustande, im Rahmen dieses Kapazitätssteigerungsprogramms die Perso-nenunterführung West doch noch in einen zeitnäheren Ausbauschritt der SBB unterzubringen oder aber der Bau wird von der Stadt vorfinanziert. Und wenn dann die Stadt diese Gelegenheit auch noch wahrnimmt, die neue PU stadtentwicklerisch zur attraktiven Querung von Basel Süd Richtung Innenstadt auszubauen, dann wird unser Bahnhof auch hinter der Fassade zu neuem Glanz erstrahlen. Herr Dieterle, sie sehen, welche Hoffnungen mit Ihnen verbunden werden.